Die Rolle von Blogs im CRM
02. März 2007 – 10:58:00
Der Einfluss von Blogs auf die Unternehmen nimmt zu. Das schreibt Reto Hartinger auf Internet-Briefing.ch. Er zitiert in seinem Blog Jens Zimmermann, der aktuell eine Arbeit zum Thema “Relevanz von Weblogs für das Customer Care” schreibt. Jens hat herausgefunden, dass in 10% aller Weblogs innerhalb von 30 Tagen ein Customer Care relevanter Post zu finden ist (häufig Beschwerden, aber auch Lob oder Ideen und Anregungen). Die Mundpropaganda spielt sich also zukünftig nicht mehr nur im sozialen Umfeld von Verwandten und Bekannten ab. Der Kreis wird duch Blogs und Foren stark erweitert.
Das hat für Unternehmen durchaus positive aber auch heikle Folgen. Kann ein gutes Unternehmen oder Produkt durch Blogs viel schneller bekannt werden, klappts eben auch im umgekehrten Fall, dann nämlich wenn das Unternehmen mal Mist baut oder das Produkt die Erwartungen nicht erfüllt. Philip Kotler hat vor Jahren bereits herausgefunden, dass positive Kauferlebnisse bis zu drei, negative bis zu elf Mal weitererzählt werden. Diese Zahlen werden sich durch die zunehmende Demokratisierung des Internets rund um die Web 2.0 Bewegung höchstwahrscheinlich potenzieren. Auch ich persönlich nutze vor dem Buchen meines Urlaubs regelmässig ein Hotelbewertungsportal und steigere mit den vielen Erlebnisberichten von Urlaubern neben dem guten Gefühl die richtige Wahl zu treffen gleichzeitig auch noch meine Vorfreude auf den bevorstehenden Urlaub. Das Unternehmen ist also gefordert, denn schlechte Qualität wird von der Web-Community erbarmungslos abgestraft. Da hilft auch keine noch so ausgklügelte Werbekampagne für die Wiedergutmachung einmal begangener Sünden am Kunden, denn die Spuren im Web sind dank guten Suchmaschinen nicht einfach zu verwischen.
Obwohl Unternehmen und deren Leistungen transparenter werden, was in letzter Konsequenz zu bester Qualität zu fairen Preisen führen wird, bekommen Firmen auch einiges zurück. Zum Beispiel helfen sich Kunden selber und nutzen neben den von Unternehmen bereitgestellten „Web Self Service“-Angeboten wie FAQ’s oder Helps eben auch Blogs und Foren für die Suche nach Informationen wie Tips zur Nutzung der Produkte oder die Behebung von Produktefehlern. Zudem bekommen die Firmen mehr Aufmerksamkeit und wenn sie die Blogosphäre als Bestandteil ihres Marketing-Mix zu begreifen beginnen, können sie zusätzlichen Nutzen daraus ziehen.
Letztlich sind aus meiner Sicht drei Dinge im Umgang mit Weblogs und Foren im Kontext von CRM wichtig: Primär sollte man es ganz einfach akzeptieren, dass man in der Welt der Blogs Erwähnung findet, ob man das will oder nicht. Keinefalls darf man versuchen das Ganze zu unterbinden. Zweitens kann neben dem Führen von eigenen offizielen Firmen-Blogs und –Foren, ein sogenanntes „Blog-Scanning“ installiert werden, welches alle für die Firma relevanten Nennungen in Blogs ständig recherchiert. In einem dritten Schritt sollte die Unternehmung dann in Erwägung ziehen, jemanden zu benennen, der in den jeweiligen Blogs und Foren die offizielle Firma vertritt, um so dem Unternehmen eine gute Stimme in der Blogosphäre zu geben.
Von Tom Buser | Kategorie: CRM
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Tags: Customer Care, FAQ, Foren, Marketing-Mix, Web 2.0, Web Self Services, Weblog
Customer Care, FAQ, Foren, Marketing-Mix, Web 2.0, Web Self Services, Weblog
Kommentare
gleicher Meinung
Oliver - 11. September 2007, 11:48
Bei uns auf http://www.el-gouna.de , dem deutschsprachigen Reiseportal für die Ferienregion El Gouna am Roten Meer kann ich diesen Trend auch feststellen. Sehr viele User informieren sich vorher auf unserer Website und tauschen sich in der Community aus und geben auch Hotelbewertungen und Erfahrungsberichte wieder.
Dadurch konnte schon vielen Urlaubern die Entscheidung erleichtert werden, für welches Hotel oder welchen Ausflug sich sich entscheiden sollten.
Die Community unterstützt sich selber.
Liebe Grüsse
Oliver
Wandel im CRM
Peer Dittmar - 02. März 2007, 16:48
Ich stimme Deinem Fazit voll zu, dass Blogs eine Rolle im CRM einnehmen werden / müssen.
Da es vermutlich künftig nicht mehr ausreicht, Kundenbeziehung auf abstrakte Datenanalysen und darauf basierten One-2-One Kampagnen zu reduzieren, muss sich CRM von einem technologisierten, zu einem kommunikationsbasierten Kundenbeziehungsmanagement entwickeln.
Das wirklich interessante daran ist, dass Unternehmen gar keine Wahl / Alternative haben, diesbezüglich zu reagieren, denn Menschen bzw. Verbraucher machen einfach nur das natürlichste auf der Welt: sie kommunizieren.
Vom CRM zum Approach Management
Robert Schumacher - 10. Mai 2007, 08:35
Richtig: Es genügt nicht, CRM "nur" als Ausbildung für freundliches Verhalten am Telefon und die Glückwunschkarte zum Geburtstag zu sehen, weder CRM als IT getriebene Software Implementierung oder pures Data Mining zu verstehen.
Die Kombination von Technologie, systematischer Mehtodik gepaart mit Verkaufserfahrung und Kommunikations-Knowhow führt zum Erfolg - also die Kombination von "harten" und "weichen" Faktoren.
Der richtige Dialog-Mix, ein relevanter "Kunden Approach" zu definieren, der im richtigen Zeitpunkt, das relevante Thema über den geeigneten Kanal wahrnimmt, das ist die Herausforderung in gesättigten Märkten von heute.
Denn: Reine Analysen aus dem Data Mining sind oft nicht umsetzbar: Was macht ein Unternehmen zum Beispiel mit einer Analyse zur Identifikation von sehr profitablen, aber abgangswahrscheinlichen Kunden? Zu einem Event einladen? Über den Preis diskutieren? Ein spezielles Produkt lancieren? Öfters kontaktieren? Beraterwechsel?
Gerade hier wird ersichtlich, dass es ein Bündel, ein sogenannter Geschäftsfall braucht, der den ganzen Prozess, alle Elemente, von der Analyse bis zur Kommunikation abdeckt.
D.h. als Konsequenz: Loslassen von der Kampagne, hin zum individualisierten Geschäftsfall-Denken, das konsequent one-2-one und kontinuierlich die optimale Ausschöpfung des Kundenpotentials fördert, indem er mittels einem intelligenten Approach Management sicherstellt, dass Kunden zum relevanten Zeitpunkt, über den favorisierten Kanal zum relevanten Thema angesprochen werden.
Das führt unweigerlich zu einer höheren Verkaufsproduktivität und damit zu mehr Umsatz. Und nur das ist schlussendlich das Ziel von CRM: Mehr Gewinn für das Unternehmen zu erzielen!
guter Text!
rafael - 02. März 2007, 13:11
Dein Text gefällt mir und ähnliche Meinungen und Haltungen werden immer Öfters publiziert, es ist eine Tatsache, dass der Blog das Sprachror der direktesten Demokratie geworden ist. Das kann positive aber auch negative Folgen für Firmen und Dienstleister haben. Aber im Endeffekt dient es garantiert der Qualitätssteigerung!
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