Alle sammeln Kundendaten doch keiner hört zu

13. Dezember 2007 – 06:12:00

Will man die CRM-Philosphie im Vertrieb in drei Sätzen zusammenfassen, könnte etwa folgendes herauskommen:

    1. Konzentriere dich bei der Pflege deiner Kundenbeziehungen auf die heute und zukünftig profitablen Kunden. 
    2. Sortiere dazu dein Kundenportfolio anhand von Kennzahlen wie Umsatz und Kundenlebenswert.
    3. Entwickle nun die investionswürdigen Kunden durch gezielte Angebote und Betreuungsmaßnahmen hin zu höheren Umsätzen und mehr Profit.

 

Diese von Professor Winkelmann aufgestellten Thesen leuchten ein. Leider ist mittlerweile zu befürchten, dass CRM immer stärker nurmehr einseitig auf Effizienzoptimierung programmiert wird, wo der Kunde je länger je mehr zu einem Datensatz verkommt und in der realen Welt wieder zu stören beginnt (was man ja eigentlich ursprünglich genau mit CRM vermeiden wollte). Mit dem von Winkelmann skizzierten Ansatz, über die für den Kunden geschaffenen Mehrwerte noch genauer  in die Zukunft einer Kundenbeziehung zu schielen, als das über die gängige Kundenwertberechnung derzeit der Fall ist, erweitert sich das Kochrezept:

    1. Analysiere sorgfältig, welche Mehrwerte du für deinen Kunden schaffst. 
    2. Nutze diese Informationen zur Kundenbindung und zur Steigerung deines Image.
      Die Herausforderung an die IT ist dabei deutlich formuliert: "Benötigt werden Metriken und Cockpits, die den Wertetransfer zum Kunden steuerbar machen."

 

Soweit so gut. Doch letztlich braucht es zusätzliche zu diesen mittlerweile fast schon traditionell anmutenden Rezepten. Es braucht eine Kultur der ständigen Innovation sowohl im Produkt- wie auch im Servicebereich. Und das ist wichtig: Produkt und Service gehören zusammen innoviert und nicht getrennt voneinander betrachtet. Es braucht eine Haltung des Unternehmens zu seinen Kunden, die den Anspruch erfüllt den Kunden jederzeit verblüffen, die Beziehung spannend gestalten zu können. Bei amerikanischen Unternehmen kann man bereits von einer eigentlichen Industrialisierung der Innovation sprechen. Kernelemente dieses Innovationsansatzes sind Kundenbeobachtungen, Ideengenerierung und rapid Prototyping. Und dabei geht es nicht primär darum noch mehr Kundendaten zu sammeln und zu analysieren, sondern vielmehr um ein besseres Verständnis was für Dienstleistungen und Produkte dazu benötigt werden, um den Kunden immer wieder von neuem ans Unternehmen zu binden. Amerikanische Banken begleiten zum Beispiel Kunden nach Hause, um zu verstehen, wie und wann sie ihre Bankgeschäfte tätigen. Und vielleicht wird dann die Frage nach der ‚Cumulus-Karte' bald mal eine intelligentere Version erfahren (was ja seit langem wirklich überfällig ist).

 

Von Tom Buser | Kategorie: CRM
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Kommentare

CRM ist ein Spiegel des Unternehmens

Stephan Voigt - 03. März 2008, 13:14
Hallo,

Die von Ihnen angemahne innovative Haltung zum Kunden ist sicher der Schlüssel. Ein CRM ist immer auch gemäß der Firmenpolitk angepaßt. Ein CRM kann somit ein Werkzeug der Controlling Abteilung sein, mehr als für die Vertriebsabteilung. Worauf es ankommt ist die Intention, was man bei der Einführung des CRM erreichen wollte. Controlling und Rationalisierung ist sicher ein wichtiger Aspekt. Die Verbesserung der qualitativen Kundenbeziehung ist jedoch die Kernaufgabe. Und hierzu zählt es auch, Kunden immer besser zu verstehen und zu verstehen wollen.

MfG
Stephan Voigt

PS: Die Frage nach der %u201ACumulus-Karte' müssen Sie eventuell für Nicht-Schweizer erklären...

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Cumulus

Ingolf - 12. Juli 2008, 16:50
Ich bin zwar auch Deutscher: Jeder Deutsche dürfte die Payback-Karte kennen, über die man Positives und auch weniger Positives sagen könnte. Die Cumulus-Karte ist deren Pendant bei der Schweizer Supermarktkette Migros.

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Tom Buser ist Managing Partner bei YukonDaylight und Mitbegründer des Swiss CRM Forum. Mehr Infos, Folien und Fachartikel  
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